Eine Welt ohne Kunststoffe ist heutzutage kaum mehr vorstellbar. Seit einigen Jahrzehnten im Einsatz gehören Kunststoffe zu den technisch und wirtschaftlich wichtigsten Materialien und werden in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens verwendet. Gelangen Kunststoffe in die Umwelt verbleiben sie dort aufgrund ihrer Langlebigkeit sehr lange und können negative Auswirkungen auf Organismen haben. Freigesetzte Plastikprodukte zersetzten sich durch den Einfluss von Salzwasser, Reibung und UV-Strahlung zu kleinen Mikropartikeln, dem sogenannten Mikroplastik. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definiert für Mikroplastik eine Größe von 0,1 μm bis 5 mm. Auf diese Weise kommt Mikroplastik in vielen Bereichen unserer Umwelt vor.

Studienlage zu Mikroplastik in Lebensmitteln ist derzeit nicht einheitlich

Die Belastung verschiedener Lebensmittel mit Mikroplastik und daraus möglicherweise resultierende gesundheitliche Risiken für die Verbraucher*innen ist seit einigen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Diskussionen, vgl. dazu Stellungnahme vom Bundesinstitut für Risikobewertung vom 30. April 2015.

Berichtet wurde bisher vor allem von Mikroplastikfunden in Meerestieren wie Fischen, Muscheln und Shrimps, aber auch in Honig, Zucker, Bier und Salz (EFSA 2016). Liebezeit und Liebezeit wiesen 2013/14 zudem Mikroplastikfunden in Honig und Zucker (Liebezeit und Liebezeit 2013) sowie deutschem Bier (Liebezeit und Liebezeit 2014) nach. Dabei untersuchten die Wissenschaftler 19 Honigproben aus verschiedenen Ländern auf Partikel, die nicht aus Pollen stammten.

Da die verwendete Analysemethode keine eindeutige Identifikation von Mikroplastik zulässt, die Ergebnisse von anderen Laboren nicht bestätigt werden konnten und keine repräsentative Probennahme stattfand, ist laut BfR die Publikation von Liebezeit und Liebezeit 2013 zu Mikroplastikfunden in Honig und Zucker nur bedingt beweiskräftig (BfR 2015). Ebenfalls konnten die Mikroplastikfunde von Liebezeit und Liebezeit 2014 in deutschem Bier in einer Studie des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes in Karlsruhe (CVUA) nicht bestätigt werden. Die Autoren führen die Mikroplastikfunde in deutschem Bier dabei auf Laborkontaminationen zurück.

In einem Drittel untersuchter Fische Mikroplastik nachgewiesen

Zum Vorkommen von Mikroplastikpartikeln insbesondere in aquatischen Organismen wie Fischen, Krebsen und Muscheln existiert derzeit die größte Anzahl verfügbarer Studien. So zeigten Lusher et al. 2013 in einer Untersuchung des Gastrointestinaltrakts von im Ärmelkanal lebenden Fischen auf, dass ca. ein Drittel der untersuchten Fische Mikroplastik aufwiesen. Im Durchschnitt fanden die Wissenschaftler 1,9 Mikroplastikpartikel pro Fisch.

Laut EFSA wird die Konzentration von Mikrokunststoffen in Fischen und Krustentieren oftmals nur im Magen, Darm oder im gesamten Verdauungstrakt bestimmt. Da der Magen-Darm-Trakt bei den meisten Fischarten mit Ausnahme einiger Kleinfischarten z. B. Sprotten nicht mit verzehrt wird, kann keine Aussage über den Mikroplastikgehalt im Lebensmittel getroffen werden. Bisher ist unbekannt, ob Mikroplastikpartikel in das Muskelgewebe oder Blut der Fische übergehen können.

Aufnahme von Mikroplastik in den menschlichen Körper –
Bisher keine Hinweise auf Schädigungen des Darmgewebes

In einer Pilotstudie des österreichischen Umweltbundesamts (UBA) und der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2018 wurde erstmals von Mikroplastikfunden im menschlichen Stuhl berichtet. Acht internationale Probanden führten dabei eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend eine Stuhlprobe ab. Bei allen acht Probanden konnte Mikroplastik in der Probe entdeckt werden. Die Autoren merken allerdings an, dass aufgrund der geringen Probandenanzahl keine sicheren Zusammenhänge zwischen dem Ernährungsverhalten und Mikroplastikfunden im Stuhl hergestellt werden können.

Laut einer Stellungnahme der EFSA aus dem Jahr 2016 besteht die Möglichkeit der oralen Aufnahme von Mikroplastikpartikeln einer bestimmten Größe. Der Verbleib und die möglichen Auswirkungen von Mikroplastik sind mangels analytischer Methoden derzeit noch unzureichend untersucht. Zudem scheint die Absorption von Mikroplastik im Darm sehr gering zu sein. Nach Angaben der EFSA können nur Mikropartikel, die kleiner als 150 μm sind, die Darmbarriere überwinden und Mikropartikel, die kleiner als 1,5 μm sind, in tiefer gelegene Organe gelangen.

In ersten Untersuchungen des BfR konnte an Kulturen menschlicher Darmepithelzellen gezeigt werden, dass Mikropartikel bis 4 μm von Epithelzellen in die Darmwand aufgenommen wurden. Im Tierexperiment waren trotz der Verabreichung großer Kunststoffpartikelmengen nur vereinzelte Partikel im Darmepithel zu finden. Bislang ergeben die durchgeführten Untersuchungen keine Hinweise auf Schädigungen des Darmgewebes durch oral aufgenommene Mikropartikel.

Plastik vermeiden und Hersteller*innen an Reinigungskosten beteiligen

2018 hat die EU-Kommission in einer ersten europäischen Plastikstrategie dargelegt, wie in der EU künftig mit Plastik umgegangen werden soll. Die Strategie sieht vor, dass ab 2030 alle Kunststoffverpackungen in der EU recyclingfähig sein sollen, der Verbrauch von Einwegkunststoffen reduziert wird, eine Beschränkung von absichtlich zugesetztem Mikroplastik stattfindet, Logos für biologisch abbaubare Kunststoffe festgelegt werden, neue Vorschriften für Hafenauffangeinrichtungen gelten sowie Gelder für die Entwicklung recyclingfähiger Kunststoffe und effizienteren Recyclingsystemen bereitgestellt werden sollen.

Erste Erfolge konnten mit der 2015 verabschiedeten Richtlinie zur Reduktion des Verbrauchs von Plastiktüten erzielt werden. Durch eine freiwillige Verpflichtung der Händler, Kunststofftragetaschen nicht mehr kostenlos an Kunden abzugeben, hat Deutschland mit 29 Plastiktüten pro Kopf im Jahr 2017 den Verbrauch deutlich reduziert. Im Vergleich dazu lag der Plastiktütenverbrauch im Jahr 2016 noch bei 45 Plastiktüten pro Kopf.

Ab 2021 gilt ein Verkaufsverbot für Wegwerfprodukte aus Plastik. Darunter fallen Plastikbesteck, Plastikgeschirr, Plastikstrohhalme, Wattestäbchen aus Plastik, Luftballonstäbe und Verpackungen für warme Getränke und Speisen aus Styropor. Zudem sollen Hersteller an Reinigungskosten von z. B. Stränden beteiligt werden, neu verkaufte Plastikflaschen ab 2030 aus mindestens 30 % recyceltem Material bestehen und eine Kennzeichnung bestimmter Produkte fur eine umweltschonende Entsorgung eingefuhrt werden.

„Gesundheitliche Risikobewertung derzeit nur eingeschränkt möglich“

Laut BfR und EFSA ist eine gesundheitliche Risikobewertung für den Verzehr von mit Mikroplastik belasteten Lebensmitteln derzeit nur eingeschränkt möglich, da belastbare Daten fehlen. Die Entwicklung von validierten Methoden zur Identifizierung von Mikroplastik, eine generelle Begriffsbestimmung sowie weitere Forschung zu Vorkommen, Risikopotenzial und Zusammensetzung von Mikroplastik sind notwendig.

Der vollständige Beitrag ist in der Juniausgabe 2019 im DGEinfo*erschienen.

Autorin: Lisa Präger, Master of Science Oecotrophologie.

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