Dr. Ute Brehme leitet seit 2005 das Referat Fortbildung der DGE. Dort werden für Diätassistent*innen, Oecotropholog*innen, Ernährungswissenschaftler*innen und Absolvent*innen fachverwandter Studiengänge Seminare zum ernährungswissenschaftlichen, diätetischen und methodischen Fachwissen und zur Erweiterung der Beratungskompetenz sowie die Zertifikatslehrgänge zur Ernährungsberater*in/DGE und Verpflegungsmanager*in/DGE angeboten. Die Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung ist ein weiterer Arbeitsschwerpunkt.

Interview mit Dr. Ute Brehme, Leiterin des Referats Fortbildung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Sie erklärt in dem folgenden Beitrag, was das Konzept des lebenslangen Lernens für Fachkräfte in der Ernährungsberatung bedeutet und warum es für die Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung so wichtig ist.

Lesen Sie hier einen Auszug des Interviews, in vollständiger Länge erschienen in der Dezemberausgabe 2019 bei DGEinfo*.

Redaktion DGEinfo: Frau Dr. Brehme, wie steht die DGE zum Konzept des lebenslangen Lernens?

Dr. Ute Brehme: Neues zu lernen begleitet den Menschen praktisch jeden Tag. Und „fertig“ ist man mit Lernen nie. Das gilt für DGE-Mitarbeiter*innen genauso wie für Ernährungsberater*innen/DGE (EB/DGE) und Inhaber*innen anderer DGE-Zertifikate.

Die Ernährungsberatung ist ein gutes Beispiel: Denn in realen Beratungs- oder Schulungskontexten haben Klient*innen vielfältige Fragen, Bedürfnisse und subjektive Einstellungen, auf die die Fachkraft entsprechend eingehen muss. Aktuell sind „Intervallfasten“ oder die „Paleo- Diät“ bei vielen Verbraucher*innen ein Thema.

Dr. Ute Brehme: „Die Ernährungsfachkraft muss den aktuellen Stand der Wissenschaft kennen, um jeden Klienten individuell beraten zu können. Dafür ist ein breit aufgestelltes Portfolio beruflicher Qualifizierung und kontinuierlicher Aktualisierung erforderlich – und das fordern wir von den Ernährungsberater*innen/DGE.“

Redaktion DGEinfo: Seit wann wird Lebenslanges Lernen bei den DGE-Zertifikaten gefordert?

Dr. Ute Brehme: Aufgrund der stetigen Weiterentwicklung in den Ernährungswissenschaften, der Diätetik und Medizin ist der Grundgedanke des lebenslangen Lernens in den Lehrgängen schon immer präsent gewesen. Formal geregelt ist dies seit Ende der 1990er Jahre.

Bis 2006 beinhalteten die DGE-Zertifikate den Hinweis, dass sie gültig bleiben bei Absolvieren von Fortbildungen über mindestens acht Unterrichtseinheiten pro Jahr. Seit 2007 gilt ein Qualitätssicherungssystem, das die DGE gemeinsam mit den Berufsverbänden der Diätassistent*innen (VDD) und Oecotropholog*innen (VDOE) entwickelt hat. Die Fortbildungen werden dokumentiert und in einem 3-Jahres- Rhythmus kontrolliert.

Diese kontinuierliche Fortbildung – alternativ auch als Nachzertifizierung bezeichnet – ist eine wichtige Qualitätssicherungsmaßnahme, zugleich aber auch für das eigene Marketing von Vorteil. Die Zertifikatsinhaber*innen können über ihr Zertifikat herausstellen, dass sie sich regelmäßig fortbilden und up to date sind.

Redaktion DGEinfo: Ab Oktober 2020 wollen die gesetzlichen Krankenkassen in der Primärprävention auf die Kontrolle der kontinuierlichen Fortbildung der Fachkräfte verzichten. Wie ist dies zu beurteilen?

Dr. Ute Brehme: Die DGE hält die Pläne des GKV-Spitzenverbands für unzureichend. Die Ankündigung, dass Kursleiter*innen nur einmalig in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention geprüft werden, steht im Widerspruch zum Konzept des Lebenslangen Lernens und auch im Widerspruch zum Qualitätskriterium der kontinuierlichen Fortbildung in der „Rahmenvereinbarung zur Qualitätssicherung in der Ernährungsbildung und Ernährungsberatung in Deutschland“.

Obwohl sich der GKV-Spitzenverband seit vielen Jahren in den jeweiligen Fassungen seines „Leitfaden Prävention“ auf diese Rahmenvereinbarung bezogen hat, hat er sich nun gegen die Empfehlungen der Fachverbände und -institutionen im Ernährungsbereich gewendet.

Außerdem plant er entgegen den Empfehlungen zur Grundqualifikation in der Rahmenvereinbarung, den Beruf der Diätassistent*in durch „ernährungsbezogene Berufsabschlüsse“ zu ersetzen.

Dr. Ute Brehme: „Berufliche Grund- und Basisqualifikation aufzuweichen und nur für Teilbereiche Qualifizierungen anzuerkennen, die im beruflichen Tun kaum so isoliert auftreten, kann nicht sinnvoll sein. Besonders im Gesundheitsbereich muss der Schutz der Verbraucher*innen im Vordergrund stehen.“

Redaktion DGEinfo: Was genau bedeutet das für das lebenslange Lernen?

Dr. Ute Brehme: Die Informationen zur konkreten Umsetzung der Pläne ab 10/2020 sind recht spärlich, es ist noch kein Konzept erkennbar. Beispielsweise ist gegenwärtig unklar, wie lange eine Qualifikation zurückliegen darf. So könnte es sein, dass jemand vor 20 Jahren einen Studienabschluss erworben hat und nie in diesem Bereich tätig war, aber dennoch einen primärpräventiven Kurs in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifizieren lassen kann. Und dann könnte der Kurs „lebenslang“ immer wieder verlängert werden, ohne dass der Kursleiter bzw. die Kursleiterin Fortbildungen nachweisen muss.

Das entspricht weder dem Konzept des Lebenslangen Lernens noch einer angemessenen Qualitätssicherung.

Redaktion DGEinfo: Wie setzt das Team des DGE-Referats Fortbildung selbst das lebenslange Lernen um?

Dr. Ute Brehme: Im Bereich des non-formalen Lernens nutzen wir unser jährliches DGE-Inhouse-Seminar. Außerdem haben wir den Vorteil, am eigenen Seminarangebot teilnehmen zu können, um individuelle Entwicklungsprozesse zu fördern. Mit Unterstützung der DGE als Arbeitgeberin besuchen wir Kongresse, Tagungen und spezifische Fortbildungsseminare.

Prozesse im Referat Fortbildung werden stetig weiterentwickelt, eingebettet in die LQW-Testierung – LQW steht für Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Erwachsenenbildung. Wir haben dieses Qualitätsmanagementsystem 2013 eingeführt. Im Sinne des informellen Lernens lernen wir dadurch und natürlich vor allem durch den Kontakt zu unseren Fortbildungsteilnehmer*innen und Zertifikatsinhaber*innen fortlaufend, eben lebenslang, dazu.

Redaktion DGEinfo: Frau Dr. Brehme, vielen Dank für das Gespräch.

*Das DGEinfo für Fachkräfte im Ernährungssektor erscheint monatlich als Beilage in der Fachzeitschrift Ernährungs Umschau. Die DGE informiert darin über neue Erkenntnisse, aktuellen Diskussionsstand in Forschung, Wissenschaft und Praxis, bespricht Fachliteratur sowie aktuelle Medien und versorgt Leser*innen mit Nützlichem für den Berufsalltag. DGE-Mitglieder erhalten das DGEinfo zusammen mit der Ernährungs Umschau.