Monika Götz: „Wichtig ist Offenheit gegenüber neuen Formaten und sich darauf einzulassen, auf digitalem Weg den persönlichen Bezug zu Patienten und Klienten aufzunehmen.“

Monika Götz
Monika Götz ist Dipl. oec.troph. Univ., M.A. Management, zertifizierter Business- und Gesundheitscoach (dbvc anerkannt) und zertifizierter Online-Coach, Ernährungsberaterin VDOE

Lieblingsessen: Linsen mit Spätzle

Kompetenzen stärken – Professionalisierung ausbauen

Warum es sich für Ernährungsfachkräfte lohnt, ihre Ernährungsberatung und Ernährungstherapie auch online anzubieten, erklärt Oecotrophologin und Online-Coach Monika Götz. Sie zeigt im folgenden Interview, worauf es ankommt, um als Ernährungsfachkraft ein überzeugendes Online-Beratungsangebot auf den Weg zu bringen.

Interview mit Monika Götz

DGE-Blog:

Online-Beratungen per Video-Chat oder mit digitalen Tools, mit unterschiedlichen Funktionen, bieten in der Ernährungsberatung und -therapie viele Möglichkeiten. Manche Ernährungsfachkräfte überlegen vielleicht noch, wo genau die Vorteile liegen und ob so ein Angebot für sie überhaupt umsetzbar ist. Was würden Sie ihnen sagen?

Monika Götz:

Wer als qualifizierte Ernährungsfachkraft tätig ist, Klient*innen berät und ihnen zur Seite steht, bringt schon entscheidende Voraussetzungen mit: Kommunikationsfähigkeit gekoppelt mit fachlichem Know-how und beruflicher Qualifikation.  Daher rate ich allen mit diesen Voraussetzungen, nicht länger zu überlegen und zu zögern. Konzentrieren Sie sich auf das WIE und Ihre individuelle Umsetzung. Mittelfristig wird es dazugehören, auch Online-Angebote im Portfolio der Ernährungsberatung bereitzuhalten.

Ein gut durchdachtes Online-Angebot kann helfen, Vertrauen zu den Klient*innen aufzubauen und die eigenen Kompetenzen zu stärken. Auch kann es dazu beitragen, die Bindung zu den Klient*innen zu intensivieren und die eigene Reichweite im Netz zu erhöhen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Angebot sowohl zeitlich flexibel als auch ortsunabhängig verfügbar gemacht werden kann. Das kommt vielen Berufstätigen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Menschen, die ans Haus gebunden sind, entgegen.

DGE-Blog:

Was sind die Herausforderungen Ernährungsberatung im Online-Format anzubieten?

Monika Götz:

Professionell angelegte Online-Beratung erfordert ein Mindestmaß an technischem Know-how, Medienkompetenz und Datenschutzmaßnahmen. Wer sich hier nicht sicher fühlt, sollte das aber nicht als unüberwindbare Hürde betrachten. Es macht deutlich, was mit dem viel zitierten Ausspruch „Lebenslanges Lernen“ gemeint ist. Das gilt unabhängig vom Alter oder ob jemand zur Generation „Digital Natives“ zählt oder nicht. Alle müssen sich Medienkompetenz und Wissen über Datensicherheit- und Schutz aneignen und stetig aktualisieren.

DGE-Blog:

Wie beurteilen Sie die Honorarsituation für Online-Angebote in der Ernährungsberatung?

Monika Götz:

Derzeit sehe ich oft noch Vorbehalte gegenüber der Online-Beratung. Klient*innen erwarten zuweilen, dass das Honorar geringer ist als in einer Präsenz-Beratung. Die zunehmende Professionalisierung in der Online-Beratung kann dem aber entgegenwirken.

DGE-Blog:

Kann eine Online-Beratung genauso wirksam und effektiv sein wie eine Präsenzform?

Monika Götz:

Professionelle Online-Beratung sollte sich von Online-Selbstlernprogrammen und Apps unterscheidet, in denen Klient*innen überwiegend keine persönliche Unterstützung erhalten. Eine Ernährungsfachkraft vermittelt Fachwissen und begleitet ihre Klient*innen individuell. Zwischen der beratenden Person und dem Ratsuchenden kann auch online eine Beziehung aufgebaut werden. Online sind ein paar Dinge, wie zum Beispiel die Vereinbarung einer sogenannten „Netiquette“ oder „Chattiquette“ zu beachten. Eine wertschätzende, empathische Haltung kann auch online erfolgen. Der Beratungsprozess ist somit auch online möglich und sichert die Qualität in der Beratung.

DGE-Blog:

Praktisch betrachtet: Was sind aus Ihrer Erfahrung die Knackpunkte bei der Online-Beratung, die es zu beachten gilt?

Checkliste Online-Ernährungsberatung: Welche Punkte sind wichtig?

  1. Ist-Analyse: Was bieten Sie welchen Klient*innen wie an?
  2. Was ist Ihr Ziel mit Online-Beratung?
  3. Wer sind Ihre Online-Klient*innen?
  4. Wie soll Ihr Angebot aussehen?
  5. Was brauchen Sie dazu?
  6. Beispielsweise technische Voraussetzungen, Unterstützung, Weiterbildung und Netzwerk
  7. Online-Plattform auswählen und üben
  8. Für Datenschutz und Datensicherheit sorgen
  9. Methodisches Online-Repertoire und Online-Interaktionen planen und ausprobieren
  10. Mediendidaktik und -kompetenz erwerben
  11. Praxiserfahrung sammeln
  12. Preisgestaltung und Zahlungsmodalitäten festlegen
  13. Sichtbarkeit und Marketing definieren
  14. Selbstorganisation und Selbstfürsorge für Berater*innen wie z.B. Arbeitsplatzgestaltung, persönliches Energiemanagement, Pausen, Bewegung, Stimmtraining

Monika Götz:

Nach meiner Meinung ist Online-Beratung mehr als Beratung über einen Video-Anbieter. Auch wenn sich die Personen in einer Videoübertragung sehen, nimmt das nicht den „ganzen Menschen“ wahr. Es gibt so viele Formate wie z.B. Telefon, E-Mail, Chat, Video und kombinierte Plattformen, die, wenn sie richtig anwendet werden, sehr wirksam sind. Daher sollte ein Format gewählt werden, das zu einem selbst, zur Zielgruppe und dem eigenen Angebot passt.

Bei der Gruppenberatung sind zudem andere Kriterien wichtig. Ihr Erfolg hängt wesentlich von der Interaktion und dem Austausch der Teilnehmenden ab. Im Onlineformat gibt es zwar eine Chat-Funktion, die reicht jedoch – meiner Meinung nach – nicht aus.

Deutschen Gesellschaft
Das Referat Fortbildung (FB) der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bietet Fort- und Weiterbildung für Multiplikator*innen aus den Bereichen Ernährungsberatung, Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung. Hinzu kommt das Engagement, an der Gestaltung von Rahmenbedingungen und Standards in der Ernährungsberatung mitzuarbeiten.

Über Zertifikatslehrgänge für die Ernährungsberatung und Gemeinschaftsverpflegung sowie zielgruppenspezifische Seminare für Berufstätige und Wiedereinsteiger*innen, erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihren Kenntnisstand zu aktualisieren, sich zu spezialisieren und methodische Kompetenzen zu trainieren.

Auf der DGE-Internetseite können interessierte Verbraucher*innen die Ernährungsberater*innen/DGE und Kursleiter*innen für das DGE-Programm „ICH nehme ab“ in ihrer Region finden.

In Online-Gruppenräumen sollten sich die Teilnehmenden austauschen und ihre wichtigsten Ergebnisse mit ins Online-Plenum bringen können. Das muss entsprechend technisch vorbereitet werden. Außerdem ist zum Beispiel ein Online-Whiteboard, das von allen Teilnehmenden gleichzeitig genutzt wird, für eine gute Interaktion sehr wichtig – das bieten nicht alle Online-Tools.

Ein weiterer Punkt ist, anfallende Kosten im Blick zu haben. Bei professionellen Anbietern von Video-Chat-Systemen entstehen in der Regel Lizenzkosten. Kostenlose Basisversionen entsprechen oft nicht den Datenschutzanforderungen und bieten nur eingeschränkte Funktionen.

Für einen professionellen Auftritt ist meist zusätzliche Software und Hardware wie Kamera, Headset und eine entsprechende Ausleuchtung von Vorteil. Eine gute Übertragungsqualität mit entsprechender Bandbreite muss auch gewährleistet sein.

DGE-Blog:

Jetzt habe ich mich als Ernährungsfachkraft entschieden, eine Online-Beratung anzubieten. Was sind die ersten Schritte?

Monika Götz:

Machen Sie als erstes eine Ist-Aufnahme: Was ist Ihr Portfolio, welche Klient*innen und Patient*innen betreuen Sie? Welche Methoden und welches Visualisierungsmaterial verwenden Sie zurzeit und was davon ist wie auch online nutzbar?

Wenn Sie sich entschieden haben, üben Sie Umgang und Anwendungen so lange, bis Sie alles sicher beherrschen. Testen Sie Ihre bestehenden Methoden und Ihre bestehenden Präsentationen, bauen Sie viel Raum für Interaktion ein.

Überlegen Sie sich vorher, was an Problemen auftauchen könnte und erarbeiten Sie praktische Lösungen. Vergewissern Sie sich, dass alle Aspekte des Datenschutzes berücksichtig sind. Machen Sie sich bewusst, dass Datenschutz und Datensicherheit zwei verschiedene Punkte sind. Und ganz wichtig: Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung und Hilfe, nicht erst, wenn es hakt.

DGE-Blog:

Wir danken Ihnen für das Gespräch.